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Accademia Dantesca Jahnishausen e.V.  -  Ein Überblick

Schloss Jahnishausen

Was hat Dante mit Jahnishausen und mit unserem Verein zu tun?

Ein Schlossverein für kulturelle Begegnung

Was hat sich bisher verwirklichen lassen?

Was geschieht gegenwärtig?

 

Schloss Jahnishausen

Schloss und Gut Jahnishausen sind aus einer mittelalterlichen Burgengründung hervorgegangen. 1503 wird erstmals ein Herrensitz erwähnt. Bis 1824 war es im Besitz verschiedener Familien des sächsischen Adels, unter ihnen einige bedeutende Persönlichkeiten, wie beispielsweise Jan von Schleinitz, Maria Sophia von Reichenbach und Georg Wilhelm von Hopffgarten.

Besondere Bedeutung erlangte das Schloss unter dem Besitz von Prinz Johann, dem späteren König Johann von Sachsen (1854 –1873). Für die prinzliche, bzw. königliche Familie zählte Schloss Jahnishausen zu den bevorzugten Ferienaufenthalten. Die schlichte Eleganz von Schloss und Park entsprachen dem zeitgenössischen Ideal eines „italienischen Landhauses“ und dienten in Verbindung mit dem Gutsbetrieb dem Interesse des Prinzen an praktischen Kenntnissen in Agrarökonomie. Bis 1945 blieb das Schloss in Besitz und Nutzung des sächsischen Königshauses.

"Schloss Jahnishausen" G.A.Poenicke  Album der Rittergüter u. Schlösser im Kgr.Sachsen,1858

Einer Zerstörung aus ideologischen Gründen (wie bei so vielen anderen Baudenkmälern der Region) entging das Schloss vermutlich durch die Verlegung der Landwirtschaftschule Riesa in das Gut Jahnishausen. Später waren durch den Kultursaal des Volksgutes, einen Kindergarten, einen Kinderhort und eine kleine Bibliothek kulturelle Nutzungen gegeben. Auch dadurch, dass die örtliche Hebamme hier lebte, ist Schloss Jahnishausen für die älteren Mitbürger ein Ort besonders lebendiger Erinnerungen.

In der Nacht vor Sylvester 1969 wurde der rechte Flügel des Schlossgebäudes durch einen Brand schwer beschädigt. Das gesamte Gebäude wurde aufgegeben und verfiel während des nächsten Vierteljahrhunderts zusehends. 

1994 - 95 wurde durch die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz eine Statussicherung durchgeführt, um den damaligen Bestand zu erhalten. Der abgebrannte Ostflügel wurde behelfsmäßig eingedeckt, die defekten Fenster und Tore des gesamten Gebäudes vermauert.    

Während der Schlosspark ab 1991 wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzt werden konnte, verblieb Schloss Jahnishausen bis heute als Ruine - als ein besonders gefährdetes Bau- und Kulturdenkmal mit hohem Aufforderungscharakter.

Ausführliche Darstellung der Schlossgeschichte

 

1992 Ostflügel als Ruine                            1995 Notsicherung    Fotos: J.Gutte

 

Was hat Dante mit Jahnishausen und mit unserem Verein zu tun?

Die Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Dichtung Dante Alighieris, der göttlichen Komödie, hat Johann von Sachsen, seit er sie als Jugendlicher zufällig auf einer Italienreise kennenlernte, sein ganzes Leben lang begleitet und herausgefordert.

Es ist davon auszugehen, dass ihn nicht nur die Schönheit dieser visionären Dichtung begeisterte, sondern auch ihre theologische und moralische Bedeutsamkeit. Da sich deren Verständnis beim Lesen nicht unmittelbar erschließt, war ihm eine deutsche Übersetzung mit möglichst hoher Texttreue ein besonderes Anliegen. Deshalb wurde in der unter dem Pseudonym Philalethes (Freund der Wahrheit) veröffentlichten Ausgabe, auf die Reimform in Terzinen verzichtet, und es entstand ein umfassender und ausführlicher Anmerkungsteil. Aufgrund dieser Qualitätsmerkmale gilt diese Übersetzung in Fachkreisen hinsichtlich Verständlichkeit bis heute als empfehlenswert.

In einem von König Johann einberufenen Gesprächskreis bedeutender Literaten und Künstler, der Accademia Dantesca wurden die aktuellen Ergebnisse und Fragestellungen auf einen dialogischen „Prüfstand“ gestellt. Die Offenheit dieser „Gespräche auf Augenhöhe“ - jenseits von Standesunterschieden - ist für ihre Zeit als außergewöhnlich zu bewerten. Teilnehmer waren beispielsweise Carl Gustav Carus, Ludwig Tieck und Wolf Graf von Baudissin.

Darüber, dass sich dieser Kreis in Jahnishausen versammelt hätte, ist bisher nichts bekannt. Eine Beziehung von Dante und Jahnishausen ergibt sich aus der als sicher anzunehmenden Übersetzungstätigkeit Johanns während seiner Aufenthalte in Jahnishausen.

Carl Gustav Carus war als Leibarzt der königlichen Familie des Öfteren in Jahnishausen anzutreffen - und wird auch ein gern gesehener Gesprächspartner zu Dantethemen gewesen sein. Der Kunsthistoriker Carl Friedrich von Rumohr, mit dem Johann zu Dantethemen im Briefwechsel stand, war 1832 mit Wolf Heinrich v. Baudissin zu einem Besuch in Jahnishausen.

Bei Gründung unseres Kulturvereins schien es naheliegend, uns namentlich auf die Gesprächskultur der historischen Accademia Dantesca zu beziehen.

 

Ein Schlossverein für kulturelle Begegnung

Nach vielen Jahrzehnten unterschiedlichster Nutzung und langem Leerstand wurde das ehemalige Rittergut Jahnishausen mit dem denkmalgeschützten Schloss und allen Hofgebäuden 2001 von der Lebenstraumgemeinschaft Jahnishausen erworben. Genossenschaftlich als Gut Jahnishausen eG organisiert, schaffte sie  zunächst Wohnraum für ihre Mitglieder. Das Schloß befand sich in einem desolaten Zustand, war zur Hälfte Ruine und vollständig vermauert, ungenutzt und sich selbst überlassen. 2003 gründeten Mitglieder der Lebenstraumgemeinschaft den Kulturverein Accademia Dantesca Jahnishausen e.V. mit dem Ziel, ein Kommunikationszentrum als Begegnungsstätte zwischen Kunst- und Kulturschaffenden und Natur- und Umweltinteressierten zu entwickeln auf der Grundlage einer Revitalisierung von Schlosses Jahnishausen.  Den Gründungsimpuls verdankt die ADJ dem tatkräftigen Engagement der Performance-Künstlerin Dorothea Walter aus Stuttgart, die bei ihren Besuchen in Jahnishausen von der Idee begeistert war, das geschichtsträchtige Schloss als kulturelle Begegnungsstätte wiederzubeleben.

 

Dorothea Walter eröffnet die erste Veranstaltung der

Accademia Dantesca Jahnishausen e.V. am  6.9.2003

Das Öffnen des ersten der vermauerten Fenster im Frühjahr 2003 war ein kleiner, aber symbolkräftiger Schritt in diese Richtung. Bei einer ersten öffentlichen Veranstaltung am 6. September 2003 zeigte sich ein großes Interesse der Besucher an einer kulturellen Neubelebung dieses historischen Ortes.

 

 Das erste Fenster öffnet sich wieder...                                   ... im Frühjahr 2003

 

Was hat sich bisher verwirklichen lassen?

Die Accademia Dantesca Jahnishausen e.V. ist mit derzeit 25 aktiven Mitgliedern noch ein relativ kleiner Verein. Da eine vollständige Wiederherstellung des Schlosses nicht „auf die Schnelle zu haben“ sein wird, hatten wir unsere Aktivitäten bisher auf folgende Ziele gerichtet:

 

Kunst und Kultur verstehen wir nicht als wertfreie „Schöngeistigkeit“, sondern als kreative und tragende Elemente der Wertebildung und der Mitgestaltung unserer alltäglichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit - und auch als Zugang zu einem nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt. Die Entwicklung und Förderung von Gesprächskultur erscheint uns grundlegend dafür, dass Menschen, die kulturell „etwas bewegen wollen“, in wirkungsvolle Kommunikation miteinander treten können. Wir verstehen Gesprächskultur als ein dialogisches, sich wechselseitig bereicherndes Gespräch, beruhend auf der Fähigkeit sowohl empathisch (einfühlend) zuhören zu können als auch sich selbst authentisch zur Sprache zu bringen.

Hierin besteht eine grundsätzliche Gemeinsamkeit der im Gut Jahnishausen lebenden Lebenstraumgemeinschaft und unserem Verein, der Accademia Dantesca Jahnishausen e.V. Wir begreifen Individualität und Gemeinsinn nicht als unvereinbare Gegensätze, sondern als sich ergänzende Grundelemente einer nachhaltigen Weltanschauung. Diese setzt auf dialogische Gesprächsformen, welche Transparenz und Empathie unterstützen. Wir gehen davon aus, dass die hier angedeuteten Bildungsangebote zukünftig von zunehmend mehr Menschen wahrgenommen werden. Schloss Jahnishausen scheint uns mit seiner besonderen Geschichte und seiner unaufdringlichen Schönheit ein idealer Ort für Begegnungen in diesem Sinne.

Mit der Restaurierung des baulich gefährdeten chinesischen Pavillons auf der Insel im Schlosspark konnte unser Verein 2008 die Wiederherstellung eines kleinen Baudenkmals im Schlossensemble realisieren. Die wertvollen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde, Handwerkern und Restauratoren haben uns Mut gemacht, auch die Rettung größerer Objekte, wie das Schloss anzugehen. Das große öffentliche Interesse bei der Einweihungsfeier des Pavillons nach seiner Fertigstellung, zeigte sich in schönster Weise im Engagement der damaligen Oberbürgermeisterin von Riesa, Frau Töpfer. Die durch sie bereitgestellten Mittel sowie Spenden ermöglichten ein originalgetreues kupfernes Dach für den Pavillon.

 

Übergabe mit Grußworten von Oberbürgermeisterin Töpfer                                Fertigstellung mit Kupferdach 08. 2009

 

 

Lange Zeit war nicht abzusehen, ob es gelingen würde, neben den kulturellen Vorhaben auch die praktische Wiedernutzbarmachung des Schlosses über bloße Notreparaturen hinaus zu realisieren. Das hat sich hoffungsvoll verändert. Seit 2015 ist eine enge Kooperation mit den Denkmalbehörden in Meissen und Dresden entstanden. Erste Ergebnisse wurden am 11. September 2016 bei einem Schlossfest im Rahmen des Tages des Offenen Denkmals vorgestellt. Frau Lörks als architektonische Planerin stellte an einem Gebäudemodell Nutzungsmöglichkeiten für das Schloss vor. Vorangegangen waren Untersuchungen von Statiker, Restaurator und Archäologe. Das Ergebnis der Schadensaufnahme zeigt einen noch dringenderen Handlungsbedarf als vorab vermutet. Auf Grund dieser Ergebnisse und der überregionalen Bedeutung des Denkmals wurden Förderanträge gestellt mit dem Ziel, in einem ersten Abschnitt das Dach des Westflügels denkmalgerecht wieder herzustellen.

Am 1.1.2017 ist das Schloss in das Eigentum unseres Vereins übertragen worden. Es kommt also eine Menge Arbeit auf uns zu. Wir hoffen auf neue begeisterte Mitglieder um die zukünftigen Schritte gemeinsam zu entwickeln und auch schultern zu können. Wir laden Sie ein, sich ein Bild von Schloss Jahnishausen und unserem Verein zu machen und kreativ mitzuwirken.

Seit Anfang des Jahres hat sich bereits einiges bewegt. Seitens der Politik erfuhren wir zunehmend unterstützende Mitwirkung, auch die Spendenbereitschaft zeigt ein zunehmendes Interesse für die Erhaltung von Schloss Jahnishausen.

Was geschieht gegenwärtig?

Nun geht es tatsächlich los: nach 2 Jahren vorbereitender Arbeiten konnten wir am 15. September 2017 auf den Start des ersten Bauabschnittes anstoßen. Alle, die auf höherer Ebene mitgewirkt haben, waren gekommen: Dr. De Maizière als unser Bundestagsabgeordneter, Herr Mackenroth vom Sächsischen Landtag, Herr Oberbürgermeister Müller, Herr Frenschkowski vom Amt für Denkmalpflege in Dresden haben mit unserem Verein, den Fachplanern, den Handwerkern und der Lebenstraumgemeinschaft Jahnishausen gefeiert.

Zuvor blieb es spannend bis zuletzt. Erst Anfang September hatten wir vom Land Sachsen den Bewilligungsbescheid über 250.000 € an Fördergeldern erhalten, Anfang August kam die Nachricht, dass auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sich mit an der Dachsanierung beteiligen wird, und den Rest haben wir durch private Spenden zusammenbekommen. Einen besonders herzlichen Dank an alle Spender!

Nun steht ein großes Gerüst um den Westflügel des Schlosses. Anfang Oktober haben die Bauarbeiten am Schlossdach begonnen. Bei der Freilegung der Deckenbalken wurden auch die Einschubbretter der historischen Saaldecke geborgen. Sie sind mit ornamentalen Formen aus verschiedenen Zeiten bemalt, wurden fotografisch dokumentiert und für den späteren Wiedereinbau katalogisiert. Zukünftig werden sie wieder unsichtbar sein, denn eine vollständige Wiederherstellung dieser 400 Jahre alten Balkendecke wäre nicht nur sehr aufwändig, es ist auch nicht das primäre Ziel des Denkmalschutzes. Sichtbar wiederhergestellt werden soll der bauliche Zustand aus der Zeit König Johanns im 19. Jahrhundert.

Gegenwärtig arbeiten die Zimmerleute mit Hochdruck, um die maroden Abschnitte der Dachsparren und Deckenbalken zu erneuern. Es soll  soviel wie möglich vom originalen Dachstuhl erhalten bleiben. Das ist erheblich aufwändiger als eine komplett neue Dachkonstruktion zu erstellen.

Mit der Fertigstellung des Daches vom Westflügel ist aber noch nicht das ganze Schlossdach erneuert. Wir haben daher bereits im November ein Förderantrag für den nächsten Bauabschnitt gestellt. Dieser beinhaltet die Erneuerung der Dachkonstruktion über der Schlosskapelle im Ostflügel und die Instandsetzung des pultförmigen Notdaches über dem abgebrannten Teil des Ostflügels. Besonders aufwändig werden die statischen Wiederherstellungsmassnahmen der Außenwänden und Gewölbedecken des Westflügels sein. Die vielen Setzrisse müssen sämtlich verpresst werden (vollständige und kraftübertragende Verfüllung der Risse). Die Kosten belaufen sich auf ca. 395 000 Euro. Wie hoch die Förderung sein wird, ist bisher noch nicht absehbar. In jedem Fall wird unser Eigenanteil mindestens den Betrag des 1. Bauabschnitts erreichen. Wir hoffen sehr, dass auch der 2. Bauabschnitt gut weitergehen wird und Sie uns hierbei mit Ihren Spenden unterstützen!

 

[ aktualisiert: 04. 12. 2017 ]

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