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Schloss Jahnishausen   ein gefährdetes Kulturdenkmal

  Einführung

                   1.      

Bis 1824              Besitzer aus dem Sächsischen Adel

 

                   2.  

1824 – 1945        Besitzer aus dem Sächsischen Königshaus

 

                   3. 

1945 – 2001        Staatsgut / Volkseigenes Gut / Treuhandanstalt

 

                   4.  

2001 bis heute    Gut Jahnishausen eG / Accademia Dantesca Jahnishausen e.V.

 

 

 

2.   1824  -  1945    Besitzer aus dem Sächsischen Königshaus

2.1   Johann von Sachsen   

Gutsherr von 1824 - 1873

Lebenszeit: 1801 (Dresden) – 1873 (Pillnitz)

Eltern: Prinz Maximilian von Sachsen und Caroline von Parma

Zwei Brüder und vier Schwestern.

 

Besondere Bedeutung erlangte Schloss Jahnishausen unter dem Besitz von Prinz Johann, dem späteren  König Johann von Sachsen, Regierungszeit von 1854 – 1873.

Prinz Johann, Herzog zu Sachsen, war aufgrund seiner zwei älteren Brüder nicht für die Thronfolge vorgesehen.

Sein mittlerer Bruder Clemens verstarb 1822 auf einer gemeinsamen Reise durch Italien.

Als Vizepräsident des Geheimen Finanzkollegiums zählte Johann zu den einfußreichsten Beamten des Landes, war an der Gestaltung der neuen sächsischen Verfassung beteiligt und über Jahre Kommandant der Kommunalgarden. 

1854, nach dem tödlichen Unfall seines ältesten Bruders, Königs Friedrich August II. übernahm er dann doch das Regierungsamt, obwohl er es auch seinem Sohn Albert hätte überlassen können.

In seiner Regierungszeit, im Spannungsfeld zwischen Österreich und Preußen, hat sich Sachsen vom Agrarland zum aufstrebenden Industrieland gewandelt.

Für die Nachwelt ist er der Gelehrte auf dem Königsthron, was darauf hinweist, dass Johann von Sachsen, der sich nicht an Machtbestrebungen orientierte, einer der gebildetsten Herrscher seiner Zeit war.

 

Auf der Rückreise einer Ende 1821 begonnenen Italienreise hatte Johann in München seine zukünftige Frau, Amalie Auguste von Bayern kennengelernt. Die Trauung fand am 21.11.1822 in Dresden statt. Das prinzliche- später königliche Paar hatte neun Kinder, wovon sechs ihre Eltern nicht überlebten.

 

Die Familie wohnte (bezog ihr Hoflager) im Winter im Palais am Taschenberg neben dem Schloss in Dresden und im Sommer im Wasserpalais in Pillnitz

In seinen Lebenserinnerungen schreibt Johann über die Zeit kurz nach der Hochzeit: Ich fühlte bald, dass meiner Frau, die ein angenehmeres und freieres Leben gewohnt war, der Zwang des Hofes und seine etwas langweilige Existenz nicht gerade behaglich war, auch wohl manches ihr komisch vorkam. 1

Es ist anzunehmen, dass ihr Wunsch nach mehr Privatheit einer der  hauptsächlichen Anlässe war, der zum Erwerb eines Rittergutes führte.

 

 

     Johann von Sachsen, 1854                       Eigener Scan         Amalie Auguste von Bayern, 1827                        Bildnachweis     

 

Im November 1824, zwei Jahre nach der Hochzeit, kaufte Prinz Johann das Rittergut Jahnishausen als ein familiäres Refugium abseits des öffentlichen Wirkens. Das kleine Schloss mit seinem angrenzenden Landschaftspark bot dem jungen Paar Gelegenheit, sich aus höfischer und städtischer Enge in eine (fast bürgerliche) Privat­sphäre zurückzuziehen und bot Möglichkeiten für den Empfang von Freunden jenseits des höfischen Zeremoniells.

Für die prinzliche, später königliche Familie zählte Schloss Jahnishausen zu den bevorzugten Wohnaufenthalten (Nebenhoflagern), überwiegend im Frühjahr. Die schlichte Eleganz von Schloss und Park brauchte keinen repräsentativen Ansprüchen genügen, sondern sollte dem zeitgenössischen Ideal eines „italienischen Landhauses“ entsprechen.

Der ländliche, ungezwungene Aufenthalt in Jahnishausen war auch bei Johanns Geschwistern, besonders seiner Schwester, der Bühnendichterin Amalie von Sachsen, beliebt. Ein Brief Johanns erwähnt ein Parkfest mit Illumination und Wasserfahrt (Fackelbeleuchtung und Bootsfahrten)

 

1828 schrieb Johann von Sachsen an seinen Schwager, Friedrich Wilhelm IV. von Preußen vor Beginn einer gemeinsamen Italienreise: Schloss, oder vielmehr Garten Jahnishausen: […] „Unter blühenden Mandelbäumen“ oder vielmehr abgeblühten Lindenbäumen schreibe ich Dir in Wonne schwimmend.

Im Frühjahr 1829 lud er Friedrich Wilhelm und seine Frau, Elisabeth Ludovika von Bayern, trotz der einfachen Ausstattung dort, nach Jahnishausen ein: „Ihr möchtet Euch langweilen, weil die Gegend zwar freundlich, aber nicht ausgezeichnet und die geselligen Ressourcen fern sind, zweitens mein Raum sehr beschränkt ist, ihr also schlecht wohnen würdet. Ich könnte euch nehmlich nicht mehr denn zwei Zimmer zusammen geben. 2

Nachdem 1838 Schloss Weesenstein durch Erbschaft in den Besitz von Johann gelangte, das näher an Dresden lag und auch repräsentativen Zwecken entsprach, wurden die Besuche der königlichen Familie in Jahnishausen seltener, blieben aber nie vollständig aus.

 

Ein weiterer Anlass für den Erwerb eines Rittergutes war das besondere Interesse des Prinzen an praktischen Kenntnissen in der Agrarökonomie und der Theorie der Landwirtschaft.

In seinen Lebenserinnerungen berichtet Johann:  Schon die Aussicht auf einen mit Landwirtschaft verbundenen Besitz hatte mich in der letzten Zeit bestimmt, auch in die ökonomische Literatur etwas einzugehen. Im Ganzen war die Landwirtschaft damals noch lange nicht auf dem wissenschaftlichen Standpunkt, wie sie jetzt besonders durch die Fortschritte der agrarischen Chemie geworden ist. […] Zu Befestigung conservativer Gesinnung trug übrigens der Besitz eines Rittergutes nicht wenig bei. Enthielten die damaligen Verhältnisse der Rittergüter auch vieles, was mit Recht und zum Besten des Ganzen seitdem geändert worden ist, so hatten sie doch manches ansprechende und Erfreuliche. 3

 

Es wird an anderer Stelle berichtet, dass sich Prinz Johann nicht nur mit den Grundsätzen der rationellen Landwirthschaft vertraut machte, um das Gut unter eigener Aufsicht bewirthschaften zu lassen, sondern sich auch, durch die Lecture der „chemischen Briefe“ Liebig´s dazu angeregt, im Winter 1850-51 von Dr. Stein, Professor an der polytechnischen Schule zu Dresden, einen Cursus über Chemie vortragen ließ und führte nach dessen Beendigung eine Zeit lang theils im Laboratorium der genannten Anstalt, teils in der eigenen Behausung selbst praktische Arbeiten aus. 4

 

Ein Experiment mit einer Maulbeerplantage, ca.1830, zur Anzucht von Seidenraupen, misslang allerdings aufgrund des ungeeigneten Klimas. 5

 

Den wirtschaftlichen Gutsbetrieb führte bis1860 der Pächter Haubold. Auf Betreiben des nachfolgenden Pächters Hermann Schaeffer wurde nach Auflösung einiger Bedenken des königlichen Besitzers (Abwägung von moralischen und ökonomischen Argumenten) eine Brennerei errichtet, die bis 1953 Bestand hatte.

Wohl ebenfalls aufgrund pragmatischer Erwägungen wurde 1856 durch Pächter Haubold das zum Gut gehörige Großholz, das bis zu diesem Zeitpunkt größte Waldstück der näheren Region, in Ackerland umgewandelt.

 

Der Besitz eines Rittergutes bedeutete aber nicht nur Muße und persönlichen Zeitvertreib. Mit dem Erwerb […] verpflichtete sich Johann, hierin seinen nicht ebenbürtigen Standesgenossen gleich, der Herrschaftsstellung als Gutsbesitzer gerecht zu werden, die grundlegend das Selbstverständnis des landsässigen Adels prägte. Aus dem Besitz dieses historisch gewachsenen Adelssitzes resultierten Aufgaben zur Verwaltung […], die Patronats- und Gerichtspflicht, sowie die Verantwortung gegenüber den zur Herrschaft gehörenden Untertanen. 6

 

Da Johann seine Verantwortung sehr ernst nahm, gab er bereits im Januar 1826 folgende Anweisung an die für das Armenwesen zuständigen Gutskanzlei:  Ich empfehle Ihnen nochmals von dem, was Ihnen von den Bedürfnissen Einzelner oder ganzen Kommunen bekannt wird, mich in Kenntnis zu setzen, wo ich dann stets nach Kräften zu helfen bereit sein werde“.  Diese Hilfen aus Johanns Privatkasse wurden großzügig während seiner ganzen weiteren Lebenszeit gewährt.

Bei einer Beratung zum Gesetzentwurf einer Armenordnung nahm Johann zu der Frage, ob man die Hilfen grundsätzlich möglichst knapp halten sollte, folgende Haltung ein: Das Gesetz gewährt den Armen nur den nothdürftigsten Bedarf; Das Christenthum verlangt, dass ich, wenn ich in dem Falle bin, meinem Nächsten mehr gewähren zu können, meine Hände nicht ganz verschließe, dass ich ihm nicht blos die Brosamen zukommen lasse, sondern er in den Stand gesetzt wird, in eine bessere Lage zu kommen. 7

 

1828 schaffte Johann, aus Freude über die Geburt seines ersten Sohnes Albert, den Hofzwanggesindedienst endgültig ab, bat aber darum, dass mit diesem Sonderfall kein größeres Aufsehen erregt werden sollte.

Diese Dienstpflicht zwang alle abhängigen Bauern als Untertanen, ihre Kinder mit dem 14. Lebensjahr zuerst dem Guts- oder Grundherrn als Gesinde anzubieten. Erst nach dem Ableisten dieses Dienstes konnten sie auch andernorts Arbeiten annehmen. Die Jugendlichen hatten sich jährlich jeweils zu zwei Terminen auf dem Gutshof zu stellen.  (Wikipedia)

 

1839 erweiterte Johann die v. Reichenbachsche Schulstiftung in Mehltheuer um einen weiteren Schulplatz  für bedürftige Kinder, die Georgsstiftung. Dies geschah aus Dankbarkeit für einen glimpflich ausgegangenen Kutschunfall seines Sohnes Georg, der bei einem Ausflug in der Nähe von Jahnishausen aus dem Wagen und mit dem Kopf an einen Stein geschleudert worden war.

 

1856 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit des Rittergutes Jahnishausen aufgelöst (zwischen 1854 und 1856 in ganz Sachsen).

Die Gerichtsbarkeit war an den Besitz eines Gutes (patrimonium) und den Adelsstand des Besitzers gebunden. Der Grundherr war Gerichtsherr und war als solcher befugt, seine Gerichtsbarkeit gegenüber seinen Untertanen selbst auszuüben. Bei fehlender juristischer Qualifikation musste er die Gerichtsbarkeit durch eigene von ihm bestellte Rechtsgelehrte (Gerichtshalter, Pfleger, Gerichtsverwalter, Justitiare, Gerichtsdirektoren) ausüben.

Patrimonialgerichte umfassten vielfach jedoch nur die niedere Gerichtsbarkeit, also vor allem Eigentums-, Familien-, Erb- und Gutsrechte, Gesindeordnung und teilweise auch niederes Strafrecht (z. B. Beleidigungen, Raufereien).    (Wikipedia)

 

Kollatur / Patronat

Die Kollatur ist das Recht, eine geistliche Stelle zu besetzen. Patronatsrechte sind teils Ehrenrechte, z. B. auf einen besonderen Sitzplatz in der Kirche im Patronatsgestühl und die Erwähnung im Gebet, teils wirkliche Rechte wie z. B. die Möglichkeit, bei einer Wiederbesetzung einer Pfarrei den neuen Pfarrer der kirchlichen Instanz vorzuschlagen (Präsentationsrecht) und die Übernahme des Pfarramts durch eine dem Patron nicht genehme Person zu verhindern (Vetorecht).  Zu den Pflichten eines Patrons gehört die Kirchenbaulast am Kirchengebäude, oft auch die Besoldung des Pfarrers.     (Wikipedia)

 

Politisch hat Johann – obwohl er überzeugter Katholik war – bewusst keine pro-katholische Parteinahme ausgeübt, war aber dennoch um 1845 in der öffentlichen (mehrheitlich evangelischen) Meinung in den Ruf eines Beschützers katholischer Proselytenmacher geraten.

Proselytismus bezeichnet in der Religion bzw. Mission eine negative Bezeichnung für das Abwerben von Gläubigen aus anderen Konfessionen, Kirchen und Glaubensgemeinschaften, die zum Eintritt in die eigene Konfession oder kirchliche Gemeinschaft bewegt werden sollen. Negativ ist die Bezeichnung vor allem dann, wenn mit dem Begriff Proselytismus nicht einfach nur eine freundliche Einladung verbunden wird, sondern unethisches Verhalten beim Versuch, andere zum Übertritt in die eigene Glaubensgemeinschaft zu überzeugen.  (Wikipedia)

In der damaligen Diskussion wurde als eines der positiven Gegenbeispiele Johanns neutrales und engagiertes Wirken als Patron der Kirche in Pausitz genannt: Während andere katholische Rittergutsbesitzer auf ihrem protestantischen Rittersitzen katholische Kolonien anlegen, hat der Prinz mit seiner Gemahlin zu Jahnishausen eine Stiftung gemacht, durch welche Kinder von Protestanten das Schulgeld während ihres Besuches der protestantischen Dorfschule erhalten. 8

Pfarrer Karl Gottlob Pretzsch, zuständig für die Kirchen Jahnishausen und Pausitz schrieb 1841 zusammenfassend:

[…] Prinz Johann, Herzog von Sachsen, in welchem alle Gerichtsunterthanen den gerechtesten und mildesten Herrn, die Armen insbesondere einen reichen unermüdlichen Wohlthäter, Kirchen und Schulen einen für ihren heiligen Zweck mit schönen Eifer thätigen Patron hoch verehren.

 

Schlosskapelle  2016  Foto:  Elisabeth Wandt

 

Schlosskapelle

Da Johann und seine Familie als Katholiken nicht an den Gottesdiensten der Jahnishausener- und Pausitzer Kirche teilnahmen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Einrichtung einer Kapelle im östlichen Flügel von Schloss Jahnishausen auf ihn zurückgeht. Sie wird im Sinne eines privaten Andachtsraumes genutzt worden sein, da sie nicht offiziell geweiht worden ist.

Die aus einem ehemaligen Wirtschaftsraum umgestaltete Kapelle im barocken Stil erinnert an die Schlosskapelle in Weesenstein, die Johann in einer ehemaligen Backstube einrichten ließ.

 

Danteübersetzung  

Eine tiefe Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Dichtung Dante Alighieris, der göttlichen Komödie, hatte Johann von Sachsen, seit er sie 1822 auf seiner ersten Italienreise zufällig kennenlernte, sein ganzes weiteres Leben lang begleitet. 

Neben der sprachlichen Schönheit dieser visionären Dichtung wird ihn besonders ihre theologische Bedeutungstiefe begeistert und herausgefordert haben. Da sich deren Verständnis beim Lesen nicht unmittelbar erschließt, war ihm eine deutsche Übersetzung mit einem Schwerpunkt auf Texttreue und Verständlichkeit ein besonderes Anliegen.  Deshalb verzichtete er nach anfänglichen Versuchen auf die ursprüngliche Reimform in Terzinen. Für die unter dem Pseudonym Philalethes (Freund der Wahrheit) veröffentlichte Übersetzung entstand ein historisch-kritischer Erläuterungsteil, welcher sich durch seine Ausführlichkeit auszeichnet. Aufgrund dieser Qualitätsmerkmale gilt die Philalethes-Übersetzung bis heute beim Fachpublikum als die sprachlich beste und wissenschaftlich verlässlichste. Dass Teile dieser Übersetzung in Jahnishausen geschaffen wurden, gilt als sicher.

 

Accademia Dantesca 

In einem von König Johann einberufenen Gesprächskreis bedeutender Literaten und Künstler, der Accademia Dantesca wurden der aktuelle Stand der Übersetzung und daraus resultierende Fragestellungen auf einen dialogischen „Prüfstand“ gestellt. Die Offenheit dieser „Gespräche auf Augenhöhe“, jenseits von Standesunterschieden, ist für ihre Zeit als außergewöhnlich zu bewerten. Teilnehmer waren beispielsweise Carl Gustav Carus, Ludwig Tieck, Karl Förster, Carl Friedrich von Rumohr und Wolf Heinrich von Baudissin.

Dass sich dieser Kreis in Jahnishausen versammelt hätte, ist bisher nicht nachzuweisen.

Carl Gustav Carus war als Freund von Johann und als Leibarzt der königlichen Familie des Öfteren in Jahnishausen anzutreffen und wird dort ein gern gesehener Gesprächspartner zu Dantethemen gewesen sein.

Der Kunsthistoriker Carl Friedrich von Rumohr, mit dem Johann zu Dantethemen im Briefwechsel stand, war 1832 mit Wolf Heinrich v. Baudissin zu einem Besuch in Jahnishausen.

 

Denkmalschutz und Geschichtswissenschaft

Johann von Sachsens Engagement im von ihm mitbegründeteten Königlich Sächsischen Verein zur Erforschung und Erhaltung vaterländischer Alterthümer (für einige Jahre führte er den Vorsitz) ist u.a. der Erhalt der Grabdenkmäler in der Schleinitzschen Grabkapelle von St. Afra in Meißen zu verdanken. Die von bedeutenden mittelalterlichen- und Renaissance-Bildhauern geschaffen Bildwerke, darunter auch solche von Jahnishausener Gutsherren, sollten dem damaligen Raumbedarf der Gemeinde geopfert werden.

Dem ebenfalls vom ihm mitgegründeten Historischen Museum in Dresden schenkte er drei mittelalterliche Ofenplatten mit biblischen Motiven aus Schloss Jahnishausen sowie einige in der Flur Jahnishausen gefundene Werkzeuge aus der Jungsteinzeit.   9

Erklärtermaßen ging es ihm neben dem Denkmalschutz und dem Sammeln historisch wertvoller Objekte besonders um die Entwicklung einer historischen Wissenschaft. Die vielleicht schönste Würdigung seines Engagements war seine Wahl zum ersten Vorsitzenden des 1852 gegründeten Gesamtvereins der dt. Geschichts- und Altertumsvereine.

 

Besuche von Persönlichkeiten des Hochadels in Jahnishausen

Wie bereits oben erwähnt waren die Aufenthalte der prinzlichen, später königlichen Familie (außer Jagdanlässen) fast vollständig privater Natur. Von aufwändigen Empfängen ist nichts bekannt. Von den vielen Besuchen der näheren und weiteren Verwandtschaft sind folgende besonders erwähnenswert:

König Friedrich August I. (Onkel von Johann) besuchte Im Oktober 1826 mit seiner Frau, der Königin Maria Amalie Auguste und Prinzessin Maria Auguste das prinzliche Paar in Jahnishausen. Zur Abschirmung von der Öffentlichkeit wurde vorab ein Kommando leichter Infanterie dorthin beordert. Johann von Sachsen schreibt in seinen Lebenserinnerungen, wie verblüfft er darüber war, das der König während der Tafel mit dem kommandierenden Leutnant einige Worte sprach, während er sonst nur an Personen von Oberstenrang das Wort richtete. 10

Im Mai 1827 war die Erzherzogin Sophie von Österreich, eine Schwester von Amalie Auguste, in Jahnishausen zu Gast.

Im September 1833 nahmen anlässlich eines Manövers König Anton und Friedrich August II. (als Mitregent) in Jahnishausen Quartier. 11  

Im Februar 1844 trafen sich König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen (Schwager von Johann) und Prinz Johann im Schloss Jahnishausen.

Im August 1853 und im Mai 1856 besuchte Königin Elisabeth von Preußen ihre Schwester, die sächsische Königin.

 

 

Volkstümlichkeit 

Der Herausgeber von Johanns Lebenserinnerungen, Hellmut Kretzschmar, schreibt in seiner Einleitung:  [Durch Begegnung mit den verschieden Ständen] wurde ihm etwas vermittelt, was der voraufgegangenen Generation seines Hauses, dem ersten Könige und seinen Brüdern nicht nur versagt geblieben war, sondern nicht einmal erwünscht erschienen wäre. […Das] Volk in der vollen Breite seiner Schichtung ist Johann auch in seiner späteren Zeit doch meist nur ausschnittweise und mittelbar nahegetreten. 12

 

Von Johann von Sachsen, der sich in der Öffentlichkeit wenig zugänglich zeigte, wird vielfach berichtet, dass er bei ländlichen Aufenthalten, wie in Jahnishausen oder Weesenstein, erstaunlich ungezwungen auf die Menschen seiner Umgebung zuging.

 

Schullehrer Eduard Nagler aus Prausitz berichtet über Johann von Sachsen: Nie unterließ Allerhöchstderselbe bei seinem Aufenthalt auf Schloß Jahnishausen die Schulen seines Patronats: Pausitz, Prausitz und Mehltheuer, zu besuchen und es war sein Kommen jedes Mal ein hoher Ehren- und Festtag für die Schule. Eine Freude war es, zu sehen wie der allerdurchlauchtigste Fürst so lebhaften Anteil nahm an dem zu behandelnden Unterrichtsgegenstande, wie er selbst Fragen an die Kinder richtete, Sich von ihren Arbeiten überzeugte und Belobigungen oder Tadel erteilte. Von ganz besonderem Interesse war Ihm der Unterricht mit den Neuangekommenen. Er freute sich über ihre naiven Antworten und lauschte mit Wohlgefallen ihren kindlichen Gesängen.- Sein königliches Vaterherz schlug warm für die Kleinen ! 13

 

 

Denkmal zur goldenen Hochzeit  im Schlosspark Jahnishausen

Bildnachweis

 

Goldene Hochzeit des königlichen Paares am 10. 11. 1872

Nach einem wechselvollen Leben mit neunzehn Regierungsjahren in einer “Zeit der Umbrüche” war es dem Königspaar vergönnt, als einen besonderen Höhepunkt ihr goldenes Ehejubiläum zu feiern.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung fanden vom 7. bis zum 12. November in ganz Sachsen Feierlichkeiten statt. Im Schlosspark Jahnishausen wurde als ein Geschenk der Amtshauptmannschaft Rochlitz eine porphyrne Gedenksäule für dieses Ereignis errichtet. Zwei weitere Denkmale, die an vom Königspaar besonders geliebten Orten errichtet wurden, befinden sich bis heute im Schlosspark Weesenstein und in der Nähe von Schloss Pillnitz.

 

Am 29.10. 1873 verstarb Johann von Sachsen in Pillnitz. Das Rittergut Jahnishausen ging testamentarisch in den Besitz seiner Witwe Amalie Auguste von Sachsen über.

 

 

Schloss Jahnishausen um 1910       Aus:  W. Doenges (Hrsg)  "Rittergut Jahnishausen", Berlin, 1914     Eigener Scan

 

Bauliche Umgestaltung von Schloss Jahnishausen

Wann genau Johann von Sachsen die Umgestaltung des Schlosses, insbesondere die des  westlichen Fügels durchführen ließ ist bauhistorisch noch ungeklärt. Nach Abriss der an das Schloss angefügten Wirtschaftsgebäude (Vergl. Abb. in Teil 1) konnte der westliche Flügel durch eine Verlängerung den Maßen des östlichen Flügels angeglichen werden. Dem Treppenturm wurde ein Giebelgeschoss aufgesetzt.  Zwei parkseitige und ein hofseitig vorgebauter Altan (über dem sogenannten Königszimmer) verliehen dem bislang unauffälligen Gebäude nun deutlich mehr Schlosscharakter. Die tonnengewölbte, im Stil des Barock ausgemalte Schlosskapelle im Erdgeschoß des Ostflügels stammt wahrscheinlich auch aus dieser Neugestaltungsphase.

 

 

Gustav Aufschläger

Die Jahnishausener Geschichte zu Lebzeiten Johanns von Sachsen ist zu ergänzen durch die Geburt von Gustav Aufschläger, 1853.  Aufschläger war Sohn des königl. Hofgärtners und wurde zu einem der bedeutendsten Sprengstoffchemiker seiner Zeit.

Aus dem Eintrag in der Neuen dt. Biographie: 1882 gründete er die Dynamitfabrik Muldenhütte bei Freiberg (Sa.) und übernahm 1884 die Leitung der Dresdener Dynamit AG bei Radebeul. 1889 wurde er zum Generaldirektor der Dynamit-Nobel AG vorm. Alfred Nobel & Co berufen. Durch Unglücksfälle in Bergwerken sah er sich veranlasst, Sicherheitssprengstoffe zu entwickeln. Auf seine Veranlassung wurde die Zentralstelle für wissenschaftlich-technische Untersuchungen GmbH in Neubabelsberg eingerichtet.  14

 

 

Gustav Aufschläger   Heliogravüre von O.Beck   Eigener Scan

                               

 

 

 

1)   -  Hellmut Kretschmar, Hrsg.  „Lebenserinnerungen des Königs Johann von Sachsen“,  Göttingen, 1958, S. 72

         -  Prinz Albert zu Sachsen, Walter Beck  „Bayern und Sachsen“ München, 2004, S. 117,133

2)   Johann Georg zu Sachsen, Hrsg.  „Briefwechsel zw. König Johann v. Sachsen und den Königen Fr. Wilhelm IV. und Wilh. I. v. Preußen“, Leipzig, 1911, Seiten 30 u. 50

3)   Hellmut Kretschmar, Hrsg.  „Lebenserinnerungen des Königs Johann von Sachsen“,   Göttingen, 1958, S. 80

4)   Hugo Schramm  „König Johann“, Leipzig, 1870, S. 29f

5)   C. Herlofssohn  „Damen Conversations Lexikon“ Bd.1, Leipzig, 1834, S.196

6)   W. Müller u. M. Schattkowsky, Hrsg.  „Zwischen Tradition und Moderne – König Johann v. Sachsen 1801 – 1873“   Leipzig, 2004, S. 341

7)   Albert Prinz zu Sachsen „Die Albertinischen Wettiner“, Gräfelfing, 1991, S.146

8)   Allgemeine Zeitung, München, übernommen nach: „Der Bayrische Volksfreund“, München, 1845, S. 396

9)    -    „Mittheilungen des Königl. Sächs. Vereins [...] vaterl. Alterthümer“ Bd.2, Dresden, 1842, S.12

        -    „Mittheilungen des Königl. Sächs. Vereins [...] vaterl. Alterthümer“  Bd.6, Dresden, 1842, S. 97 f

        -    „Mittheilungen des Königl. Sächs. Vereins [...] vaterl. Alterthümer“ 1859, Heft 1, Dresden, S. 45f

        -    „Mittheilungen des Königl. Sächs. Vereins [...] vaterl. Alterthümer“  Bd.14, Dresden,1865, S. 26

10)   Hellmut Kretschmar, Hrsg.  „Lebenserinnerungen des Königs Johann von Sachsen",  Göttingen, 1958, S. 85

11)   „Der Bayerische Landbote“ vom 05.10.1833, München, Seite 1179   Digitalisat

12)   Hellmut Kretschmar, Hrsg.  „Lebenserinnerungen des Königs Johann von Sachsen“  Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen,

        1958, S. 23

13)   -  Eduard Nagler  „Chronik von Prausitz“, Riesa, 1882, S. 66

        -  E.R. Freytag  „König Johann in der Schule zu Jahnishausen“ Gedicht.  In: „Bunte Bilder aus dem Sachsenland“, (Bd.1)

           2.Auflage, Leipzig, 1892 S. 155f   (Gemeint ist vermutlich die Schule in Prausitz, da in Jahnishausen in diesem Zeitraum

           keine Schule in Jahnishausen existierte)

14)    „Neue deutsche Biographie“,  1. Band,  Berlin, 1971, S. 443  (Unveränderter Nachdruck der Auflage von 1953)

 

 

 

Amalie Auguste von Sachen, um 1875          Eigener Scan

 

2.2      Amalie Auguste von Sachsen    

Gutsherrin von 1873 bis 1877

Lebenszeit: 1801 (München) bis 1877 (Dresden)

Eltern:  König Maximilian I. Joseph von Bayern und Karoline Friederike Wilhelmine von Baden

Sieben Geschwister, darunter Amalies Zwillingsschwester Elisabeth Ludovica, Königin von Preußen, Maria Anna, Witwe von König Friedrich August II. von Sachsen, Sophie Friederike, verheiratet mit Erzherzog Franz Karl von Österreich.

 

Seit 1850 war Amalie Obervorsteherin des Frauenvereins zu Dresden, dessen Gründung auf ihre Schwester, Königin Marie von Sachsen, zurückging. Diese hatte 1836 anlässlich der Hungersnot im Erzgebirge und Vogtland zur Gründung von Frauenvereinen aufgerufen.

 

Amalie Auguste von Sachsen erbte 1873 das Rittergut Jahnishausen. In den Traditionen ihres heimgegangen Gatten ließ sie zahlreiche Wohltaten den Dörflern zufließen und erkor sich das stille Fleckchen Erde zum Lieblingsaufenthalt während des Frühlings. 15

 

Es wird berichtet von einer Jahnishausener Strick- und Nähschule, im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe und von jährlichen Kinderfesten. Bspw. am 24. 5.1875,  dem zehnjährigen Geburtstag ihres Enkels Prinz Friedrich August, waren sämtliche Schulkinder des Rittergutsbezirkes zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, die nach Zeitzeugenberichten noch sehr lange im Gespräch der Teilnehmer blieb. 16

Als besonders verdienstvoll wurde angesehen, dass sie die geborstene große Glocke der Jahnishausener Kirche auf ihre Kosten neu gießen ließ.

 

Am 8. November 1877 verstarb Amalie Auguste von Sachsen in Dresden. Sie vererbte das Rittergut Jahnishausen an ihren siebenjährigen Enkel Prinz Max (Maximilian) von Sachsen.

 

 

 

15)    „Rittergut Jahnishausen“ Aus d. Reihe: „Das Königr. Sachsen  - Kultur, Industrie, Handel u. Gewerbe“  Berlin, 1914, S. 2

16)     Eduard Nagler  „Chronik von Prausitz“, Riesa, 1882, S. 66f

 

 

 

 

Prinz Max von Sachsen 1904        Bildnachweis

 

2.3     Prinz Max (Maximilian) Herzog zu Sachsen   

Gutsherr von 1877 bis 1899 

Lebenszeit:  1870 (Dresden) – 1951 (Freiburg-CH)

Eltern:  Prinz Georg Herzog zu Sachsen und Maria Anna, geb. Infantin von Portugal.

Sieben Geschwister.

 

Prinz Maximilian von Sachsen erbte 1877 das Rittergut Jahnishausen im Alter von sieben Jahren.

Die Verwaltung des Gutes lag beim Oberhofmarschallamt seines Vaters Prinz Georg.

 

In Absprache zwischen den Pächtern aus der Familie Schaeffer und dem Hofmarschallamt entstanden zwischen 1877 und 1892 auf dem Gutsgelände mehrere moderne Wirtschaftsbauten. Am bemerkenswertesten davon ist der Neubau der Pferdeställe im Schweizer Stil, der an seinem Nordrisalit eine gusseiserne Tafel mit den Initialen von Prinz Max und die Jahreszahl der Fertigstellung,1891, trägt.

 

Tafel mit den Initialen von Prinz Max am Gutshaus im ehem. Rittergut Jahnishausen     Foto: Peter Griepentrog

 

Riesaer Kaisermannöver 1882

Für das im April 1882 zwischen Nickritz, Gostewitz und Mergendorf stattfindende Kaisermannöver hatte der kommandierende General des 12. Armeekorps, Herzog Georg zu Sachsen sein Hauptquartier im Schloss Jahnishausen aufgeschlagen.

Der damals zwölfjährige Prinz Max saß bei der Eröffnungsparade mit im Wagen der Königin Carola. 17

 

Albertstiftung

Anlässlich eines zweifachen Jubiläums von König Albert erweiterte Prinz Max 1898 die Reichenbachsche- und die Georgsstiftung in Mehltheuer so, dass die bis dahin unzureichenden Zinsen für einen 1867 neu geschaffenen Schulplatz nun gesichert waren. 18

 

Verkauf des Ritterguts Jahnishausen

1892 hatte Max von Sachsen sein Studium der Rechtswissenschaften und Nationalökonomie mit Dr. jur. abgeschlossen. Ein 1892 begonnenes Theologiestudium beendete er 1898 als Dr. theol.

Aufgrund seines festen Entschlusses, die theologische Laufbahn zu verfolgen, hatte er bereits 1896 seine militärische Laufbahn beendet. Da der weitere Besitz des Rittergutes keine sinnvolle Perspektive mehr für ihn bieten konnte, verkaufte Max v. Sachsen am 1.7.1899  das Rittergut Jahnishausen an seinen Onkel, König Albert.  19

 

Kauf einer Kirche in Paris durch Hypotheken auf das Rittergut Jahnishausen

Im Jahre 1910 kaufte Max von Sachsen vom französischen Staat im Zentrum von Paris die Kirche St. Joseph (seit 1958 St-Joseph Artisan) zugunsten einer deutsch-katholischen Gemeinde.  Prinz Max konnte den beträchtlichen Kaufpreis aufbringen, da die Verkaufssumme des Rittergutes auf das Gut hypothekarisiert war. Das Gut hatte Max mit einer Familienanwartschaft belegen lassen, so dass es später auf seinen Bruder und späteren König Friedrich August III. überging. Der Gegenwert des Hypothekenbriefes entsprach der Kaufsumme der Kirche. 20

 

Prinz Ernst Heinrich von Sachsen über Max von Sachsen:

Die größten Tugenden meines Onkels waren seine Selbstlosigkeit, und überströmende Nächstenliebe, die er bis zur Selbstentäußerung übte. Sein Vermögen schwand sehr bald dahin, da er es für Arme und Bedürftige verwandte. Das Gut Jahnishausen, das er geerbt hatte, belegte er bis zur Höhe des Möglichen mit Hypotheken, um der deutschen katholischen Gemeinde in Paris den Bau [Kauf] einer Kirche zu ermöglichen. Man hat damals in der Familie über ihn den Kopf geschüttelt, aber er tat doch das Richtige: Die Kirche in Paris steht und erfüllt ihren erhaben Zweck als Gotteshaus – und Jahnishausen ist heute [1968] kommunistisches Staatsgut. 21

 

Max von Sachsen war in vielerlei Hinsicht ein sehr außergewöhnliches Mitglied des sächsisch-albertinischen Königshauses. Da hier nicht weiter darauf eingegangen werden kann, sei auf seine dreibändige Biographie hingewiesen. 22

 

 

 

17)      Hans Strebelow  „Die Riesaer Kaiserparade“ In: „Unsere Heimat“, Beil. des Riesaer Tageblatt, Riesa, 1932, Nr. 35,  S. 4

18)     Richard Schütze  „Mehltheuer“ In: „Neue Sächsische Kirchengalerie“, Leipzig, 1902, Sp. 1170f 

19)    Iso Baumer                “ Max von Sachsen – Priester und Professor”  Freiburg / CH, 1990,  S. 257

20)    Iso Baumer                “ Max von Sachsen – Priester und Professor”  Freiburg / CH, 1990,  S. 257

21)     Prinz Ernst Heinrich v. Sachsen   „Mein Lebensweg  vom Königsschloss zum Bauernhof“, München, 1968, S. 43f

22)   - Bd. 1    Iso Baumer    “Max von Sachsen – Priester und Professor”  Freiburg / CH, 1990

         - Bd. 2    Iso Baumer    “Max von Sachsen – Prinz und Prophet”  Freiburg / CH, 1992

         - Bd. 3    Iso Baumer    “Max von Sachsen – Primat des Anderen”  Freiburg / CH, 1996

 

 

 

König Albert von Sachen   Photo von  N. Perscheid, 1900

Bildnachweis

 

2.4    König Albert von Sachsen    

Gutsherr von 1899 bis 1902 

Lebenszeit: 1828  (Dresden)  - 1902 (Sibyllenort / Szczodre)

Regierungszeit:  1873 - 1902

Eltern:  Johann von Sachsen und Amalie Auguste von Sachsen, geb. Prinzessin von Bayern

Verheiratet mit Carola von Sachsen, geb. Prinzessin von Wasa. Die Ehe blieb kinderlos.

 

König Albert besuchte – wie auch schon in den Jahren zuvor – das Schloss Jahnishausen gelegentlich gemeinsam mit seinem Bruder Georg von Sachsen zu Jagdzwecken.  23

Die Verwaltung des Gutes scheint beim Hofmarschallamt  geblieben zu sein.

 

Nach dem Kauf durch König Albert, 1899, bekam Luise Caroline Irmgard von Arnim, geb. Freiin von Berg das Schloss Jahnishausen von Georg von Sachsen für Wohnzwecke zur Verfügung gestellt. Nach dem Tod ihres Mannes, dem Kammerherrn Hans Henning v. Arnim auf Kriebstein hatten dessen drei Söhne 1899 das Schloss Kriebstein geerbt. Frau v. Arnim starb 1910 in Jahnishausen. 24

Nach dem Tod von König Albert, 1902, ging das Rittergut Jahnishausen testamentarisch auf seinen Bruder Georg von Sachsen über.

 

 

23)    -  Maria Emanuel Markgr. v.Meißen, Herzog zu Sachsen „Geleitwort“ In: „Zwischen zwei Welten“, Halle 2001, S.9

          -  C.G. Poetzsch  „Aus d. Gesch. der Kirche  und d. Rittergutsherrschaften zu Jahnishausen“   In: „Beiträge zur sächs. Kirchengesch.“   Bd. 4, Leipzig, 1888, S. 233f     Digitalisat

24)     Manfred Dreiss, Hrsg  „Deutsches Familienarchiv“ Bd. 137-140 /Textteil,  Neustadt a. d. Aisch, 2002, S. 146

 

 

 

 König Georg von Sachen   Photo von  N. Perscheid, 1900  

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2.5    König Georg von Sachsen    

Gutsherr von 1902 - 1904 

Lebenszeit:  1832 (Dresden) -  1904 (Pillnitz)

Regierungszeit: 1902 - 1904

Eltern:  Johann von Sachsen und Amalie Auguste von Sachsen, geb. Prinzessin von Bayern

1859 heiratete Georg die Infantin (Prinzessin) von Portugal Maria Anna. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor.

 

König Georg besuchte Schloss Jahnishausen gelegentlich um zu jagen.

Die Bewirtschaftung des Gutes wurde durch den Pächter Bernhard Schaeffer, Ökonomierat, durchgeführt.           

 

Nach dem Tod von König Georg, 1904, ging das Rittergut Jahnishausen testamentarisch auf seinen Sohn Friedrich August von Sachsen über.

 

 

 

 

Rittergut Jahnishausen um 1900     Links Schloss Jahnishausen, teilweise verdeckt vom Torhaus       Ansichtskarte von ca. 1900,  eigener Scan

 

 

 

Friedrich August III von Sachsen  

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2.6     König Friedrich August III. von Sachsen

Gutsherr von 1904 - 1918 und 1924 - 1932

Lebenszeit:  1865 (Dresden) - 1932 (Sibyllenort / Szczodre)

Regierungszeit: 1904 -1918

Eltern:   Prinz Georg von Sachsen und Maria Anna von Sachsen, geb. Infantin von Portugal

1891 heiratete Friedrich die Erzherzogin Luise v. Österreich-Toskana. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor.

 

Nachrichten über Aufenthalte von Friedrich August III. in Jahnishausen beziehen sich überwiegend auf Jagdereignisse.

Um sich diesbezüglich frei bewegen zu können hatte er sich im Erdgeschoss des Ostflügels Räume zum Übernachten einrichten lassen.

 

In Jahnishausen und den umliegenden Dörfern sind bis heute anekdotisch überlieferte Erinnerungen lebendig, die sich besonders auf den letzten sächsischen König beziehen und ihn als ausgesprochen leutselig charakterisieren.

Johannes Thomas vom Riesaer Tageblatt fasst 1928 zusammen: Es werden aus der Zeit, seit der die Wettiner Besitzer Jahnishausens geworden sind, eine Menge Anekdoten überliefert, die von der Wohltätigkeit, Milde und Leutseligkeit der königlichen  Gutsherrschaft aufrichtige Beweise  liefern, ihrer privaten Art aber sich nicht zur Veröffentlichung an dieser  Stelle eignen. Eines darf aber dazu bemerkt werden, dass sich manch altes graues Haupt im Umkreis des Jahnishausener Schlosses noch recht gern der Zeit erinnert, wo die allerwärts beliebt gewesenen Glieder der früheren sächsischen Königsfamilie in ihrer volksfreundlichen Offenherzigkeit sich mit am Leben und Wirken, an der Freude und Not der Landleute beteiligt und geholfen haben, wo sie nur konnten, und wo rechte Hilfe am Platz war. Das verdient in der Geschichte Jahnishausens erwähnt und für alle Zeiten festgehalten zu werden. 25

 

Die letzte Jagd von Friedrich August III. als König war eine Fasanenjagd am 2. November 1918 in Jahnishausen. 26

Am 13. November 1918 verzichtete Friedrich August auf den Thron. Zehn Tage später ordnete das sächsische Gesamtministerium eine Beschlagnahmung des vormals königlichen Gesamtbesitzes an.

 

Friedrich August verstarb 1932 und vererbte das Rittergut an den Verein Haus Wettin – Albertinische Linie. Für den Fall, dass der Verein aufgrund der damit verbundenen steuerlichen Abgaben das Erbe ausschlagen würde, sollte es Prinz Ernst Heinrich erhalten. 27

 

 

25)     Johannes Thoma  „Geschichtliche Nachrichten über die zur Parochie Pausitz[…]““ In: „Unsere Heimat“, Beilage des Riesaer Tageblatt, Riesa, 1928, Nr. 29, S. 3

26)     Hans Eggert, Rainer Kubatzki   “Ein König auf gut Sächsisch”  Edition Sächsische Zeitung, Dresden, 2007, S. 17

27)     Hans Eggert, Rainer Kubatzki   “Ein König auf gut Sächsisch”  Edition Sächsische Zeitung, Dresden, 2007, S. 203

 

 

 

2.7     1918  -  1924  Beschlagnahmung nach Auflösung der konstitutionellen Monarchie in Sachsen

 

Eine Anordnung des sächsischen Gesamtministeriums vom 23. November 1918, die erst im Januar 1919 veröffentlicht wurde, besagte, dass aller Besitz  des „vormaligen königlichen Hauses“ beschlagnahmt sei und die aus dem Besitz zu erzielenden Einkünfte an das Forstrentenamt Dresden abzuführen seien. Dagegen hatte Friedrich August noch im Dezember 1918 Einspruch einlegen lassen.

Im März 1919 reichte sein Rechtsanwalt eine Denkschrift über die Ansprüche auf das königliche Privatvermögen ein, zu denen auch das Rittergut Jahnishausen zählte.

Darüber beriet das sächsische Kabinett im Mai 1919 und erkannte den Haus- und Grundbesitz der königlichen Familie als Privatbesitz an.

Am 10. Januar1922 gründete sich der Verein Haus Wettin – Albertinische Linie  für die wettinische Vermögensverwaltung. Mit dem Verein konnte ein am 23. August 1922 paraphierter Vertragsentwurf über den Entschädigungsumfang (Auseinandersetzungsvertrag) am 25. Juni 1924 abgeschlossen werden.

Prinz Ernst Heinrich wurde zur Umsetzung des Vertrages vom Verein „Haus Wettin“, dessen Vorsitz Friedrich August führte, zum Leiter der Vermögensverwaltung mit Generalvollmacht bestellt. 28

 

Die offizielle Beschlagnahmung scheint sich nicht auffällig auf den alltäglichen Betrieb des Rittergutes ausgewirkt zu haben. Friedrich August besuchte im Sommer 1922 oder 23 das erste Mal nach seiner Abdankung wieder Jahnishausen. 29

 

28)     Reiner Groß „Die Wettiner“, Stuttgart, 2007,  S. 270ff  

29)     Hans Schaeffer „Seine Majestät der König kam in bürgerlicher Kleidung“ In: Sächsische Zeitung – Riesa, (??) 1992

 

 

 

 

Ernst Heinrich v.Sachsen    Aus einem Privatfilm von Clemens Cäsar, ca.1935

 

2.8     Prinz Ernst Heinrich von Sachsen

Gutsherr als Vorstand des Vereins Haus Wettin – Albertinische Linie  von ca. 1924  -  1945 

Lebenszeit:  1896 (Dresden) -  1971 (Neckarhausen).

Eltern:  Friedrich August III. und Luise von Österreich-Toskana, sechs Geschwister.

Verheiratet mit Sophie von Luxemburg. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor.

 

Ernst Heinrich nahm von 1914 bis 1918 in der sächsischen Armee am 1. Weltkrieg teil.

1919 und 1920 erlernte er in Schlesien das Führen eines Gutes.

Er beteiligte sich 1920 am Kappputsch, lehnte jedoch die nationalsozialistische Bewegung von Anfang an konsequent ab und distanzierte sich öffentlich von Ludendorff und Adolf Hitler.

Auf Wunsch seines Vaters übernahm er die Funktion des Verwaltungschefs im Verein Haus Wettin – Albertinische Linie e. V. und hatte maßgeblichen Anteil an der Gestaltung des Vertrages vom 25. Juni 1924, der neben dem Gesetz vom 9. Juli 1924 den Ausgleich zwischen dem Haus Wettin und dem Freistaat Sachsen regelte.

Nach dramatischen Erfahrungen im Widerstand der Konservativen gegen den Nationalsozialismus zog sich Ernst Heinrich 1934 auf Schloss Moritzburg zurück. Dort empfing er Widerstandskämpfer wie den ehemaligen Leipziger Oberbürgermeister Goerdeler und gab der in Berlin ausgebombten Künstlerin Käthe Kollwitz bis 1945 eine Unterkunft.

(Wikipedia)

 

 

In seiner Eigenschaft als Verwaltungschef des Vereins Haus Wettin–Albertinische Linie war Prinz Ernst Heinrich zwischen 1924 und 1945 verantwortlich für die Belange des Rittergut Jahnishausen. Eigentümer war nach der Rückgabe wieder sein Vater Friedrich August, bis zu dessen Tod 1932. Danach ging der Besitz testamentarisch in den Bestand des Vereins Haus Wettin über.

 

Erholungsheim des DOB

Da Friedrich August III. außer seiner Jagdunterkunft für die Nutzung des Schlosses keinen Bedarf hatte, stellte er es unentgeltlich der sächsischen Sektion des Deutschen Offiziersbundes als Erholungsheim für vorzugsweise Offizierswitwen und deren Kinder zur Verfügung. Ausgestattet war das Schloss weiterhin mit Möbeln und Inventar aus dem königlichen Fundus. 30  Um ca. 1930 wurde die Einrichtung wegen Eigenbedarf aufgelöst.

 

Wechsel der Pächter

Laut mündlichem Zeitzeugenbericht  31 hatte Ernst Heinrich die Absicht, den landwirtschaftlichen Betrieb des Rittergutes selbst zu übernehmen und kündigte deshalb 1927 den Pachtvertrag mit der Familie Schaeffer, die damals bereits in der dritten Generation die Pacht innehatte.

Da sich die Pläne nicht verwirklichen ließen und der Vorgang nicht rückgängig gemacht werden konnte, wurde 1927 ein neuer Pachtvertrag mit Clemens Caesar geschlossen, der bis 1945 die Pacht innehatte.

 

 

Umbauten im Schloss

1931 wurden im Schloss Umbaumaßnahmen durchgeführt, mittels derer der Zuschnitt der Räume im Oberschoss so verändert wurde, das vier separate Mietwohnungen entstanden. Die Wohnung im Erdgeschoß des östlichen Flügels wurde von Ernst Heinrich und seiner Familie bis 1945 als Ferienwohnung genutzt. Neben Moritzburg galt die besondere Liebe der Familie Ernst Heinrichs dem Rittergut Jahnishausen. 32

 

Jagd

Wie seine Vorfahren war Ernst Heinrich ein begeisterter Jäger. Da die Jagd um Jahnishausen herum sehr ergiebig war, pachtete er zu den Rittergutsflächen noch fünf zusätzliche Jagdreviere. 33

 

Fasanerie

Während der vor dem Schloss gelegene Bereich des Schlossparks mit der Insel schon um 1900 öffentlich zugänglich war, war der größere Bereich des Parks seit der Zeit von Friedrich August III. Fasanerie und blieb bis 1945 abgesperrt.

 

Enteignung

1945 wurde nach Ende des zweiten Weltkrieges das Rittergut (wie aller Grundbesitz über 100 ha in der sowjetischen Besatzungszone) entschädigungslos enteignet und in ein Staatsgut umgewandelt. Damit endete die 120jährige Verbindung der Geschichte des Rittergut Jahnishausen mit derjenigen des sächsischen Königshauses.

 

          

 

30)     - By -  “Schloß Jahnishausen, Erholungsheim des D.O.B.“  In: Sächs. Landesblätter des D.O.B., Dresden, 1926, S. 151f

          - Hans Schaeffer  „Ein Heim für Kinder gefallener Offiziere“  In: Sächsische Zeitung / Riesa, 21. 3.1992

31)      Auskunft von Gerd Caesar, Sohn von Clemens Caesar, dem letzten Pächter des Rittergutes Jahnishausen

32)      Prinz Ernst Heinrich von Sachsen   „Mein Lebensweg“, München, 1968, S. 246

33)      Prinz Ernst Heinrich von Sachsen   „Mein Jagdbuch“, München, 1970, S. 72f

 

 

  Einführung

                   1.      

Bis 1824              Besitzer aus dem Sächsischen Adel   

  

                   2.  

1824 – 1945        Besitzer aus dem Sächsischen Königshaus   (Zurück nach Oben)

 

                   3. 

1945 – 2001        Staatsgut / Volkseigenes Gut / Treuhandanstalt

 

                   4.  

2001 bis heute    Gut Jahnishausen eG / Accademia Dantesca Jahnishausen e.V.