Aktuell   Verein   Veranstaltungen   Regionalgeschichte   Ökologie   Via Regia   Presse   Kontakt

 

VIA REGIA  -  Einführung

VIA REGIA  -  Altkarten

VIA REGIA  -  Literatur

VIA REGIA  -  Archivalien

 

Kartengrundlage: HTW - Dresden

 

Die VIA REGIA - Eine Einführung

VIA Regia - Große Kulturstraße des Europarates

Die historische Handels-, Heer- und Pilgerstraße VIA REGIA ist eine Teilstrecke in einem Verbund von historischen Handelsstraßen, die Santiago de Compostela in Nordspanien mit Kiew in der Ukraine verbinden. Ein internationales Netzwerk kultureller Initiativen nutzt das Potential der historischen VIA REGIA als Sinnbild der Einigung Europas und wurde im Jahr 2006 als "Große Kulturstraße des Europarates" ausgezeichnet. Kulturstraßen dienen der Begegnung mit der kulturellen Vielfalt Europas, der Förderung des interkulturellen Dialogs und der Förderung der europäischen Identität. Dieses erweiterte VIA REGIA-Verständnis knüpft an den namengebenden Streckenabschnitt in Mitteldeutschland an und verfolgt dessen Fortsetzungen nach Ost- und Westeuropa. Dabei handelt es sich zweifellos um unterschiedliche Straßensysteme, die zu unterschiedlichen Zeiten in sehr verschiedener Weise ineinander gegriffen haben, die aber die Merkmale einer im großen Maßstab relativ konstanten Wegeführung aufweisen, über die sich viele Jahrhunderte lang Hauptformen des europäischen Ost­West-Austausches vollzogen und mit denen entscheidende Ereignisse in der Geschichte Europas verbunden sind.

Die Initiative für die Revitalisierung VIA REGIA als europäische Kulturstraße ging aus vom Europäischen Kultur- und Informationszentrum Erfurt.

Vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit zählte die VIA REGIA zu den bedeutendsten ost-west-orientierten Verkehrsverbindungen Mitteleuropas. Der Begriff VIA REGIA steht für „königlicher Weg"; was keine bestimmte Straße bezeichnet, sondern den rechtlichen Status einer durch einen König geschützten Straße. Die durch Sachsen führende VIA REGIA umfasste in der Mitte des 13. Jahrhunderts die Verbindung von Erfurt über Naumburg, Leipzig, Großenhain, Görlitz nach Breslau (heutiges Wroclaw) und wurde traditionell auch als Hohe Straße bezeichnet. Sie vereinte die Funktionen von Handelsstraße, Heerstraße und Pilgerstraße. Als Heerstraße wurde sie letztmalig von Napoleon genutzt. Mit Fertigstellung der Bahnlinie von Leipzig nach Breslau endete 1876 der Fernverkehr auf der VIA REGIA.

 

Karte der sächsischen Handelsstraßen, Kupferstich 1752 (Archiv der ADJ).  Zur hochauflösenden Darstellung in die Karte klicken.

Die historische VIA REGIA durch Sachsen

Die Vorläufer der sächsischen VIA REGIA lassen sich bis zur Bronzezeit zurück verfolgen. Innerhalb eines durch geographische Bedingungen begrenzten Korridors wurde dort gefahren, wo es möglich war. Im Verlauf der Jahrhunderte bildeten sich Straßen heraus, die Sumpf- und Überschwemmungsgebiete mieden und auf natürliche Furten durch Gewässer angewiesen waren. Städte wie Leipzig, Großenhain, Bautzen und Görlitz entstanden nach der ersten Jahrtausendwende jeweils an Furten. Der durch die Lage an der Handelsstraße erzielte Wohlstand machte es diesen Städten allmählich möglich Brücken zu errichten.

In der Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Straße zur Geleitstraße erklärt. Die zu befahrende Route wurde für den Handelsverkehr zwingend festgelegt. Um bezahlten Straßenschutz und Zölle vielerlei Art erheben zu können, entstand ein umfassender Straßenzwang, dessen Umgehung strengstens geahndet wurde, bis hin zu Beschlagnahme von Waren und Wagen (Die letzte Beschlagnahmung erfolgte 1837). Die früheren bewaffneten Geleitzüge hatten sich wandelten sich in ein schriftliches Geleit gewandelt, eine Art Schadens­Versicherung. Vor allem aber dienten die Geleitgelder dazu, die Staats- und Stadtkassen zu füllen. In die Instandhaltung der Straße floss wenig zurück.

Jeweils eine Tagesreise entfernt lagen die Geleitstädte mit Einnahmestellen für den Straßenzoll, Ausspannen, Nachtquartieren und Reparaturmöglichkeiten. Während die befestigten Städte an der Straße erheblichen Nutzen für ihr wirtschaftliches Gedeihen erzielen konnten, traf das für die kleinen Ortschaften nicht zu, da Dörfer von der Straßenführung nach Möglichkeit umgangen wurden. Im Kriegsfall jedoch waren Dörfer im Straßenkorridor von den Verheerungen durchziehenderTruppen stark betroffen.

Für Fußreisende war die Nutzung der VIA REGIA kostenlos, weshalb sie von Pilgern nach Santiago de Compostela für ein schnelles Vorwärtskommen bevorzugt wurde. Der Ökumenische Pilgerweg von Görlitz nach Vacha orientiert sich an der historischen VIA REGIA.

Zustand der Straße

Bis ins 18. Jahrhundert gab es, außer in den Geleitstädten, keine mit Steinen befestigten Straßendecken. So bestand die Straße überwiegend aus tief eingefahrenen Spurgleisen bis hin zur Bildung von Hohlwegen. Bei tief ausgefahrenen Gleisen drohte den Fuhrleuten die Gefahr festzufahren und von Achsschäden. Sie umfuhren nach Möglichkeit die Schadstellen und legten so, zum Schaden der Landbesitzer, zusätzliche Spurgleise an. Der Bau befestigter Straßen begann in Sachsen erst im 18. Jahrhundert, als man die Bedeutung eines funktionellen Straßensystems für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erkannt hatte.

 

Fuhrwerk auf der alten Jahnabrücke in Seerhausen   (Montage P.Griepentrog)

Fuhrwerke und Fuhrleute

Zum Fahren in den Spurgleisen waren Spurweite und Radstand genormt. Erst ab 1550 kamen Lenkachsen in Gebrauch. Gebremst wurde mit durch die Speichen gesteckte Bremsbalken, was zu häufigen Reparaturen führte. Die Wagen waren für Fernstrecken meist mit fünf Pferden bespannt, zwei mal zwei und ein von Hand geführtes Leitpferd. Bei sehr schwerer Fracht bis zu maximal acht Pferden. Die Fahrleistung betrug ca. 25 km am Tag. Verpackt wurde das Transportgut in Fässer oder gewachstes Leder. Die Fuhrleute besaßen ein relativ hohes Maß an Bildung, da Lesen, Rechnen und die Kenntnis der jeweiligen Gesetzgebung in verschiedenen Landessprachen für ihre Orientierung unabdingbar waren.

Die VIA REGIA in der Region Riesa

In unserer Region gibt es zwei Routen der VIA REGIA, die sich in ihrer Bedeutung abgelöst haben. Die Strecken waren gebunden an eine sichere Furt durch die Elbe, die in Strehla und in Merschwitz gegeben waren. Die von der Bedeutung her ältere Route führte von Wurzen her kommend über Strehla. Beide Routen waren lange nebeneinander in Gebrauch. Bei der Festlegung der Geleitstraße wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts vom böhmischen König Georg Podibrad und dem sächsischen Kurfürsten Friedrich II. die Streckenführung über Merschwitz und Oschatz angeordnet. Die Straße über Strehla war nun für den Fernverkehr nicht mehr zulässig, wurde aber von den Fuhrleuten nach Möglichkeit weiterhin genutzt.

Die Verbindung zwischen Oschatz und Großenhain für den Regionalverkehr führte über Ganzig, Weida, Riesa, Göhlis, Moritz, Nünchritz und Skassa. Sie war als Nebenstrecke für den Fernverkehr nur in Sonderfällen zugelassen.

 

Die VIA REGIA zwischen Seerhausen und der Elbe.                                Karte hergestellt mit OpenStreetMap-Dateinen   Lizenz: Creative Commons BY-SA 2.0 / 2012

Der Verlauf der VIA REGIA zwischen Oschatz und Großenhain hat sich geographisch seit dem 15. Jahrhundert nur unbedeutend verändert, ist also in das heutige Straßen- und Wegenetz eingegangen. Von Oschatz über Lonnewitz bis zum nördlichen Ortseingang von Seerhausen entspricht sie dem Verlauf der heutigen B 6. In Seerhausen überquert die VIA REGIA die Jahnaaue um am südlichen Ortseingang um 90° nach Osten abzubiegen und möglichst gradlinig über Jahnishausen, Böhlen, Heyda und Boritz der Elbe zuzustreben. In Gostewitz biegt sie noch einmal scharf ab, um hier die Keppritz zu überqueren.

Der Verlauf des ökomenischen Pilgerwegs ist nur abschnittsweise identisch mit der historischen VIA REGIA. Er orientiert sich in der Elbregion am älteren Verlauf der Via Regia über Strehla, da dort eine Fähre zur Verfügung steht. Er folgt aber nur dort der historischen Route der Handelsstraße, wo die Wege in der Gegenwart nicht nicht mehr stark befahren werden. Zwischen Skassa und Strehla können die Pilger zwischen einem rechts- und einem linkselbischen Weg, über Riesa, wählen.

Die Kulturstraße VIA REGIA in Sachsen

Zur Entwicklung der VIA REGIA in Sachen gründete sich 2006 der gemeinnützige Verein VIA REGIA Begegnungsraum Landesverband Sachsen e.V. Die Ziele des Vereins bestehen in der Förderung von Toleranz und Völkerverständigung im Freistaat Sachsen. Der Verein will die VIA REGIA als  "Kulturstrasse Europas" in Sachsen als solche bekannt machen und Initiativen mit diesem Ziel vernetzen. Als internationales Projekt sucht der Verein die Zusammenarbeit und den Austausch mit Partnern in anderen anderen deutschen Ländern und europäischen Staaten. Es geht um die Bildung eines internationalen Begegnungsraums in dem kulturelle Traditionen gepflegt und neues Kulturschaffen gefördert und ausgetauscht werden.